Wie ist das nun mit dem Deutschen Tierschutzgesetz und der Polydaktylie ?


Zum Teil herrscht die Annahme, Polydaktylie sei eine ernsthafte Mißbildung. Das offizielle Gutachten zum deutschen "Qualzuchtparagraphen" (§ 11b des Tierschutzgesetzes) empfiehlt, die Zucht mit polydaktylen Katzen zu verbieten, da diese Mutation angeblich mit einem "Semiletalfehler" behaftet sei

Semiletalfehler = d. h. ca. die Hälfte aller Poly-Jungtiere würde vor der Geschlechtsreife sterben

Da gibt es interessante Seiten im Internet (wie z. B. Pristine-Paws.de, Messybeast.com) die sich auch mit dem Gutachten zum § 11b befasst. Und dabei hat sich dann auch herausgestellt, dass die Behauptung - die Polydaktylie sei ein Semiletalfehler - ziemlich haltlos ist ...

Das deutsche Gutachten zum Tierschutzgesetz § 11b zu diesem Thema ist leider wissenschaftlich nicht sehr sorgfältig recherchiert.

Das Gutachten läßt hier nämlich außer Acht, dass es zwei Formen von Polydaktylie zu geben scheint, wovon die Art, wie sie bei Maine Coon in der Zucht vorkommt, die Katze nicht beeinträchtigt.

Polycoon-Züchter züchten bewusst nur mit der von Danforth untersuchten Form der Polydaktylie. Sie ist durch das Aussehen der Daumenkralle leicht von der anderen Form zu unterscheiden, und sie repräsentiert die Mainer Bauernkatzen, die dort "Mittens" genannt werden, weil ihre Pfoten aussehen, als würden sie Mittens (Fäustlinge) tragen.


Danforth´s Studien , Kreuzungsversuche mit Polykatzen ** Klick **

Danforth, C.H. (1947). "Heredity of polydactyly in the cat". Journal of Heredity 38: 107-112.
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Kurze Zusammenfassung der Studie:
Schon im Jahre 1947 hat der Forscher C.H. Danforth mit Poly-Katzen gezüchtet um herauszufinden, wie sich Polydaktylie vererbt.

Er stellte fest, dass Polydaktylie dominant ist und nicht mit letalen (tödlichen) Faktoren zusammenhängt. Polykatzen sterben nicht früher, als andere, auch nicht, wenn zwei dominante Gene dafür vorliegen.

Die Quelle, die das Gutachten zum deutschen Qualzuchtparagraphen anführt für die Behauptung, bei der Polydaktylie der Katze handele es sich um einen Semiletalfehler (ein Übersichtsreferat von S. und Heidtraut Willer), ist eben diese alte Studie von Danforth 1947!


Auch hat man sich nicht mit Polydaktylie bei Wildkatzen ausreichend beschäftigt, sonst wäre die Norwegische Fischerkatze, die polydaktyl ist, und ihre Extrazehen zum Überleben braucht, bekannt gewesen.
Ebeso scheint man den Norwegischen Lundehund, der von Natur aus polydaktyl ist (!!!) , nicht sorgfältig studiert zu haben: Der Lundehund-eine der ältesten Hunderassen der Welt!

Weiter interessante Infos finden Sie auf der Homepage von Bettina Schmolla von Pristine Paws, die sich ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt.